Mit Optionsscheinen setzen Anleger mit Hebeleffekt auf steigende (Call-Optionsschein) oder fallende Kurse (Put-Optionsschein) des Basiswertes. Neben der Entwicklung des Basiswertes hat auch die Schwankungsbreite (Volatilität) des Basiswertes einen erheblichen Einfluss auf die Preisbildung eines Optionsscheines.

Mit einem Optionsschein erwirbt der Anleger das Recht, aber nicht die Pflicht, einen bestimmten Basiswert zu einem bestimmten Basispreis (Strike) während einer bestimmten Zeitspanne (American Style) oder zu einem bestimmten Zeitpunkt (European Style) zu kaufen (Call-Optionsschein) oder zu verkaufen (Put-Optionsschein). Mit Optionsscheinen können verschiedene Basiswerte, wie einzelne Aktien, ein Index, eine Währungsentwicklung oder ein Rohstoff, gehandelt werden. Optionsscheine haben gegenüber einem Direktinvestment den Vorteil, dass bereits mit vergleichbar kleinen Beträgen Gewinne erzielt werden können, und zwar aufgrund des Hebeleffektes.

Ein Optionsschein hat vier Merkmale: Der Basiswert ist der zugrunde liegende Wert, z.B. eine Aktie. Das Bezugsverhältnis gibt an, wie viele Optionsscheine einem Basiswert entsprechen. Beträgt das Bezugsverhältnis 1:1, kann mit einem einzigen Optionsschein das Optionsrecht realisiert werden, bei 0,1 werden 10 Optionsscheine benötigt, um zum Beispiel 0,1 Aktie kaufen zu können. Der Basispreis (Strike) gibt an, zu welchem Preis das Optionsrecht ausgeübt werden kann. Die Laufzeit umfasst die Zeitspanne (American Style) bzw. den Zeitpunkt (European Style), zu dem dieses Recht besteht.

Es werden zwei Arten von Optionsscheinen unterschieden: Call- und Put-Optionsscheine.

Traut man dem Basiswert Kurssteigerungspotenzial zu, kann man mit Call-Optionsscheinen von einem Kursanstieg überproportional profitieren. Denn mit einem Call-Optionsschein erwirbt der Anleger das Recht, die Lieferung des Basiswertes zu einem im Voraus bestimmten Preis „zu verlangen“ (engl. „Call“).

Für den Kauf einer Aktie zum Basispreis von 100 Euro wird bei einem Bezugsverhältnis von 1:1 ein Optionsschein im Wert von 3 Euro gekauft. Notiert die Aktie während der Laufzeit immer unter 100 Euro, nützt der Optionsschein dem Investor nichts. Einen Gewinn erzielt der Anleger erst, wenn der Preis der Aktie 103 Euro (Basispreis plus Preis, der für die Option bezahlt wurde) übersteigt. Steigt die Aktie auf 110 Euro, kann ein Gewinn von 7 Euro pro Optionsschein erzielt werden. Steigt der Kurs des Basiswertes nicht über 100 Euro, ist der Optionsschein wertlos. Das für den Kauf der Optionsscheine eingesetzte Kapital ist verloren.

Mit Put-Optionsscheinen setzen Anleger auf sinkende Märkte. Es wird das Recht erworben, den Basiswert an den Emittenten „abzugeben“ (engl. „Put“), d.h. der Emittent verpflichtet sich, dem Anleger den Basiswert zu einem bestimmten Preis abzukaufen.

Für die Option, eine Aktie um 100 Euro zu verkaufen, werden 3 Euro bezahlt. Fällt der Kurs der Aktie auf 96 Euro, kann der Investor die Aktie dennoch zu 100 Euro verkaufen. Sein Gewinn pro Optionsschein beträgt 1 Euro. Fällt der Kurs auf 80 Euro, so beträgt der Gewinn pro Optionsschein 17 Euro. Steigt der Kurs über 100 Euro, verfällt der Put-Optionsschein wertlos.

Optionsscheine ermöglichen überproportionale Gewinnchancen bei gleichzeitig erhöhtem Totalverlustrisiko. Weiters unterliegt der Preis eines Optionsscheines neben der Entwicklung des Basiswertes noch anderen Einflussfaktoren wie Volatilität, Zeitwert und Zinsniveau. Aufgrund der Komplexität und des Hebeleffektes sind Optionsscheine nur für erfahrene Anleger geeignet, die ihre Positionen laufend beobachten.

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